Bild der Veranstaltung Thomas Kahl, der unbekannte Forscher © Martina Strilic, Quelle: Stadthaus
Ausstellungen Bildergalerie

Sonntag 08.11.2020

11:00 - 18:00 Uhr

Stadthaus Ulm

Münsterplatz 50

89073 Ulm

Thomas Kahl, der unbekannte Forscher

Nochmals vom 8. November 2020 bis 10. Januar 2021

Als „Brotmaler“ wurde er bekannt. Doch der 2017 allzu früh verstorbene Thomas Kahl war mehr.
Im Frühjahr 2020 konnte die Werkschau, die das Stadthaus in Kooperation mit der Galerie Tobias Schrade zusammenstellte, durch Corona nur eine Woche gezeigt werden. Daher ist sie nun nochmals zu sehen.
Geboren 1963 im sächsischen Zittau kam Kahl 1980 in die Münsterstadt. Hier wurde er zusammen mit Andrew Greif, Peter Knabl und Patrick Pilsl Mitbegründer der Künstlergruppe „Die phantastischen Vier“, die sich später nach ihrem Domizil, der alten Kraftfahrzeughalle „links vom ROXY“ (eine Aussage, die die Gruppe durchaus auch politisch verstanden haben wollte) in „Künstlergruppe Kradhalle“ umbenannte und mit Ausstellungen in Köln, Zürich, Mailand oder Rom internationale Erfolge feierte. Kahl schuf ebenso unernste wie aufsässige Foren ironischen Umgangs mit dem herrschenden Kunstbetrieb und hielt, wie es der frühere Stadthausleiter Elmar Zorn ausdrückte, „den Stachel der Nichtangepasstheit über die Jahre gezückt“. Dabei war der Autodidakt Kahl weit mehr als nur ein kreativer Querkopf und freundliches Original: Er war ein Künstler, der unheimlich viel las und recherchierte, aber fast nie eine Erklärung zu seinen Bildern mitlieferte. Zudem war er Sammler und ständig auf der Suche nach Dingen, aus denen Gemälde, Collagen, Papierarbeiten oder Dioramen entstanden.

Kahl, auch als Musiker und Veranstalter tätig, organisierte die Pop-, Indie- und Hiphopkonzerte in der Kradhalle, schuf kreative Freiräume für andere. Während die meisten der Kradhallenkünstler im Laufe der Jahre nach Berlin abwanderten, blieb Kahl Ulm bis zuletzt treu.
In Zusammenarbeit mit der Galerie Tobias Schrade zeigt das Stadthaus eine Thomas-Kahl-Retrospektive mit Malerei, Objekten und Installationen aus verschiedenen Schaffensperioden. Zu sehen sind großformatige, zu Pop-Art-Ikonen gewordene, comichaft vereinfachte Brote und Gewichte, die mit einem tiefgründigen Subtext und mannigfachen Verweisen auf die Kunstgeschichte oder politischen Anspielungen versehen sind: etwa das „Brot für Ruanda“. Oder Kahls „Proconsul-Arbeiten“ und die Porträts bekannter Popkünstler. Die Installation „Die Große Kumpanei“ wird fast die gesamte dritte Ebene ausfüllen. Als letzte Arbeiten fertigte Kahl im Wissen über seinen baldigen Tod Totentanz-Collagen und kleine Dioramen zum Thema aus Plastikfiguren. Auch sie sind in der Ausstellung vertreten.

Die Ausstellung, zu der ein Katalog erscheint, wird in Zusammenarbeit mit der Galerie Tobias Schrade konzipiert.
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